Die Wiedergründung des Musikvereins 1949

Verbot von Vereinen durch die Befreier

Die Katastrophe des 2. Weltkriegs führte zum Zusammenbruch Deutschlands 1945. Die alliierten Militärregierungen verboten in Folge der deutschen Verbrechen während des Krieges und der nationalsozialistischen Herrschaft jegliche Organisationen im besetzten Land. Betroffen waren auch die Vereine, so der erst 17 Jahre zuvor gegründete Musikverein Stadtkapelle Laupheim e.V.

Kriegsende und Nachkriegszeit für die Stadtkapelle

Die Stadtkapelle selbst, das Blasorchester, mußte im Laufe des Jahres 1944 ihre Tätigkeit einstellen, da sie aufgrund der Einberufungen der Musiker zum Kriegsdienst besetzungsmäßig nicht mehr spielfähig war. Trotz des Verlustes von vier Musikern, die im Krieg fielen (Josef Epple, Josef Härle, Karl Schenk, Josef Schick) und einiger noch in Gefangenschaft Weilender, konnte die Kapelle bereits 1945 wieder erste Auftritte bestreiten. Am 31.05.1945 - 23 Tage nach der Kapitulation Deutschlands - nahm die Kapelle mit 11 Mann an der Fronleichnamsprozession teil. Die Leitung hatte Geschäftsführer Alois Epple übernommen, der schon zu Zeiten von Franz Laub als Dirigentenvertreter gewirkt hatte. Seit Januar 1946 dirigierte der aus dem Krieg heimgekehrte Albrecht Maier die Kapelle, der dafür bereits wieder eine Vergütung von der Stadt Laupheim bewilligt erhielt. Schon im März 1946 gab die Kapelle 19 Mann stark im Rabensaal das erste Konzert nach dem Krieg, dem bereits am Ostersonntag im April ein weiteres folgte. Außerdem wurden 1946 Promenadekonzerte in der Stadt sowie ein Herbst- und Weihnachtskonzert gegeben. Auch das kleine Streichorchester formierte sich erneut und trat mit Tanzunterhaltungen an die Öffentlichkeit. 1947 durfte die Stadtkapelle wieder das frühere Probelokal im Erdgeschoß der heutigen Wielandschule benutzen, wo bis dahin geprobt wurde, ist unbekannt. Das Kriegselend war spätestens 1948 in den Hintergrund getreten, denn im Februar dieses Jahres organisierte die Kapelle den ersten, noch bescheidenen Faschingsball nach dem Krieg.

Stadtkapelle Laupheim 1948
Stadtkapelle Laupheim 1948

Obwohl (Ex-)Vorstand Stefan Brunner bereits bei seiner Ansprache beim ersten Konzert nach dem Krieg 1946 die baldige Wiedergründung des Musikvereins ankündigte, dauerte es bis zu dessen offizieller Neuformierung länger.

Genehmigung des Musikvereins durch die Militärregierung

Die für Laupheim zuständige französische Militärregierung hatte mit der Verordnung Nr. 22 vom 12.12.1945 Regelungen zur Wiederherstellung des Vereinsrechts erlassen. Sämtliche Vereinsgründungen mußten von der Befreiungsmacht genehmigt werden. Bereits mit Datum vom 3.12.1946 wurde ein deutschsprachiger Antrag an die Militärregierung Biberach formuliert, der von Dirigent Albrecht Maier und den Musikern Franz Nothelfer, Bernhard Ruf, Karl Locherer und Vinzenz Laupheimer unterzeichnet wurde. Der Verein wurde darin so beschrieben:

Der Verein betreibt nur die Pflege von Vergnügungsmusik, sonst bestehen keine Verpflichtungen. Die Mitglieder sind meist Landwirte und Bauernsöhne, deren Prinzip es ist, bei besonderen Anlässen, Hochzeiten, Jubiläen und kirchlichen Feiern mit ihren Instrumenten mitzuwirken. Berufsmusiker sind keine dabei.

Ein Satzungsentwurf, der ins Französische übersetzt wurde, lag vor. Er war wesentlich kürzer als die frühere Satzung von 1928.

Diese Unterlagen erfüllten wohl nicht die Vorgaben der Verwaltung. Ein Jahr später, am 5.12.1947 reichten Stephan Brunner, der bis zum Ende des Krieges Vereinsvorsitzender war und das Amt danach inoffiziell weiterführte sowie die Musiker Vinzenz Laupheimer und Bernhard Ruf (noch heute spielen Enkel dieser beiden bei der Stadtkapelle) einen Antrag in französischer Sprache beim Landratsamt Biberach zur Genehmigung durch die Militärverwaltung ein. Auf dem Antrag mußte das Bürgermeisteramt Laupheim ebenfalls auf Französisch bestätigen, daß die Antragsteller moralisch einwandfreie Personen sind und nicht Mitglied der Nazi-Partei oder deren Organisationen waren. Am 19.5.1948 benachrichtigte die Stadt Laupheim die Gründungsmitglieder, daß die Abhaltung der Gründungsversammlung des Musikvereins durch die Militärregierung Biberach am 30.4.1948 genehmigt worden sei. Die endgültige Genehmigung der "Musikgesellschaft Stadtkapelle Laupheim" wurde am 3.9.1948 von der französischen Militärregierung dem Landratsamt bekannt gegeben.

Vorstandschaft Stadtkapelle Laupheim 1951
Vorstandschaft Stadtkapelle Laupheim 1951. Ehrenvorstand Stephan Brunner, 1. Vorstand Werner Hermann, Bürgermeister Hagel, Kassier Paul Bierer, 2. Vorsitzender Karl Landthaler, Ausschußmitglied Max Hessel, Musikbeirat Kölling

Die Gründungsversammlung

Am 9.4.1949 um 19:30 Uhr führte der Musikverein Stadtkapelle Laupheim seine Gründungsversammlung im Gasthaus "zum Raben" durch. Nach Totenehrung und formalem Gründungsbeschluß wurde die Satzung, die auf der Vorkriegssatzung beruhte, verlesen und beschlossen. Die französischen Vorschriften bestimmten, daß die Gründungsversammlung einen Ausschuß zu wählen hatte, der wiederum den Vorstand wählte.

Zu Ausschußmitgliedern wurden die Musiker Albert Dobler, Eduard Wolfgang, Anton Graf, Adolf Willbold und Karl Locherer gewählt. Weiterhin wurde Max Hessel vom Collegium Musicum, einem örtlichen Streichorchester, Ausschußmitglied. Mit dieser Vereinigung sollte eine feste Arbeitsgemeinschaft gebildet und somit die Streichmusiktradition bei der Stadtkapelle fortgesetzt werden. Stadtrat Max Lämmle, Josef Ruchti, Alfons Müller und Hermann Klötzer wurden als Vertreter der passiven Mitglieder gewählt.

Den Vorstand bildeten Stephan Brunner als Vorsitzender, Karl Landthaler als Stellvertreter, Paul Bierer als Kassier, Hermann Zepf als Schriftführer, Musikdirektor Albrecht Maier, Geschäftsführer Alois Zoller und Zeugwart Bernhard Ruf. Die ersten drei Vorstandsmitglieder bekleideten ihre Ämter bereits vor dem Krieg.

Der Mitgliedsbeitrag wurde 1 : 1 von Reichsmark in Deutsche Mark umgestellt, der Vorkriegsbeitrag hatte 4 Reichsmark pro Jahr betragen. Der Einzug erfolgte in vier Quartalsbeiträgen, die vom Vereinsdiener abgeholt wurden.

Nach einem Bericht des Dirigenten Albrecht Maier über die Lage und Vorhaben der Stadtkapelle schloß der Vorsitzende Brunner die Gründungsversammlung mit der Aufforderung, zahlreiche Mitglieder zu werben.

Die Formalien waren damit noch nicht abgeschlossen: Das Gründungsprotokoll, eine Bestätigung, daß die beschlossene Satzung mit derjenigen übereinstimmt, die der Militärverwaltung vorgelegt worden war, eine Adreß- und Berufsliste der Vorstands- und Ausschußmitglieder und ein ausgefüllter politischer Fragebogen derselben mußten anschließend beim Bürgermeisteramt eingereicht werden.

Erfolgreicher Start

Dem neu- bzw. wiedergegründeten Musikverein Stadtkapelle Laupheim traten 150 fördernde Mitglieder bei - eine Zahl, die zwar deutlich niedriger lag, als zur ersten Vereinsgründung 1928 und deren Folgejahren, aber gemessen an der vom Krieg gezeichneten Situation respektablen Zahl. Zur nächsten regulären Generalversammlung 1950 wies der Musikverein bereits 182 fördernde Mitglieder auf.

Der 1949 gewählte Vorsitzende Stephan Brunner trat 1950 alters- und arbeitsbelastungsbedingt zurück, auch der Schriftführer wechselte.

Stadtkapelle Laupheim beim Schützenfest Biberach, 1947
Stadtkapelle Laupheim beim Schützenfest in Biberach, 1947

Die Musikkapelle selbst hatte mit 25 Mann plus 4 "Zöglingen" fast wieder die Vorkriegsstärke und unter dem Dirigenten Albrecht Maier, der das schwere Erbe des legendären, am Kriegsende 1945 verstorbenen Musikdirektor Franz Laub angetreten hatte, ein ähnlich hohes Leistungsniveau erreicht. 1949 konnten für eine aufzubauende Jugendkapelle 14 Jugendliche gewonnen werden. Auch die Probenzahl entsprach der der besten Zeiten: 1948 probte die Kapelle sagenhafte 104- und 1949 90-mal. Das musikalische Jahresprogramm normalisierte sich, 1949 wurden wie vor dem Krieg mehrere Promenadekonzerte in der Stadt gegeben, auswärts wurde in Biberach, Ulm und Ummendorf gespielt. In Ehingen gab es schon wieder ein Musikfest, an dem die Stadtkapelle Laupheim als Ehrengast teilnahm. Und die letzten Kriegsheimkehrer aus den Reihen der Stadtkapelle wurden mit einem Ständchen in der Heimat empfangen.

Stadtkapelle Laupheim beim Musikfest in Ehingen, 1949
Stadtkapelle Laupheim beim Musikfest in Ehingen, 1949