Vergessene Zeiten - Was 100 Jahre später übrig bleibt

Franz Laub in Militäruniform mit seiner Familie, ca. 1917
Franz Laub in Militäruniform mit seiner Familie, ca. 1917

Für den frischgebackenen städtischen Musikdirektor Franz Laub sollte das Jahr 1920 große Veränderungen bringen. Sein Sohn Albert bestand am Gymnasium Ehingen das Abitur und wechselte ans Wilhelmstift in Tübingen, um katholischer Priester zu werden. Neben der Stadtkapelle übernahm Franz Laub in diesem Jahr das Dirigat der Musikkapelle Baustetten, deren Dirigent, ein früherer Musiker der Stadtkapelle, 1919 verstorben war. Anfang April 1920 war Laubs Mutter verstorben, die Stadtkapelle begleitete sie zur letzten Ruhe. Für Franz Laub war dies ein Anlass, das von den Eltern übernommene Konditoreigeschäft aufzugeben und stattdessen einen Musikalienladen zu eröffnen. Er baute eine Musikschule und ein Jugendorchester auf. Am 30.05.1920 veranstaltete er sein erstes Schülerkonzert in der „Post“. Laub war endgültig zum freischaffenden Berufsmusiker geworden.

100 Jahre nach diesen Ereignissen sind die Erinnerungen an die Urkatastrophe der Moderne verblasst, die das goldene Jahrzehnt der Stadtkapelle Laupheim beendet hatte. Kein Konzertprogramm aus dieser Notzeit ist überliefert. Von dem während des Krieges komponierten „Burgrieder Fliegermarsch“ Franz Laubs sind nur fragmentarisch Noten erhalten. Die Zeitläufte überstanden hat die während seines Kriegsdienstes geschaffene Partitur der Blechmusikfassung seines „Andante religioso“. Das handgefertigte Buch, in das die Spender der „Nagelung der Lyra“ eingetragen waren, wurde dem nach dem 1. Weltkrieg aufgebauten Heimatmuseum Laupheim übergeben. In den Beständen des heutigen Museums ist dieses Zeugnis gar nicht herrlicher Zeiten nicht mehr aufzufinden. Nicht einmal die Namen der drei dem Krieg zum Opfer gefallenen Stadtkapellenmusiker sind mehr bekannt. Uns bleibt nur, den drei unbekannten Musikkameraden in Ehrfurcht zu gedenken.

Musikhaus Laub, ca. 1935
Musikhaus Laub, Zustand nach Umbau zum Musikhaus 1920