Kriegszeiten - Das Kriegsende

1000 Tage Weltkrieg

Am 26.04.1917 erinnerte der „Laupheimer Verkündiger“ daran, dass Deutschland nun seit 1000 Tagen in einem Kampf um Sein und Nichtsein gegen eine halbe Welt von Feinden stehe. Hoffnungen auf ein Kriegsende aufgrund der Revolution in Russland waren durch den Kriegseintritt der USA konterkariert worden. Die Hindenburg-Eiche, die der Verschönerungsverein um dieselbe Zeit bei der „Germania“ gepflanzt hatte, konnte nur wenig Zuversicht vermitteln. Filme von den Schlachten waren im örtlichen Kino schlecht besucht. Materielle und menschliche Opfer stiegen und stiegen. Im März wurde dazu aufgerufen, notleidende Stuttgarter Kinder in Laupheimer Familien aufzunehmen. Dass ein Großteil der Männer zum Kriegsdienst eingezogen war, drückte sich nicht nur in einem eklatanten Mangel an Arbeitern in Landwirtschaft und Betrieben aus, sondern auch darin, dass seit 1915 in Laupheim die Todesfälle die Geburten überwogen – zuvor herrschte trotz noch immer hoher Kindersterblichkeit ein großer Geburtenüberschuss. Am 28.04.1917 fiel Julius Stumpp, Sohn des Ehrendirigenten der Stadtkapelle, an der Westfront. Ausgerechnet am Feiertag St. Peter und Paul (29. Juni) wurden in Laupheim zahlreiche Glocken abgehängt und mit Blumen geschmückt zum Einschmelzen für Rüstungszwecke weggeführt, darunter die 1869 zur Stadterhebung aufgehängte größte Glocke „Hosianna“ der katholischen Stadtpfarrkirche St. Peter und Paul. Die Frauenarbeitsschule stellte Kriegsschuhe aus Lumpen, Bast, Stroh und Seegras her. Wegen Mangels an Fuhrwerken konnte der sonst im November zur Verfügung gestellte Zucker nicht geliefert werden. Mehl für Weihnachtsgebäck wurde ohnehin nicht bereitgestellt.

500 Tage Stadtkapellenruhe

Franz Laub mit Kriegskameraden
Franz Laub (rechts) mit Kriegskameraden

Ob die Stadtkapelle 1918 – dies gilt ebenso für die Prozessionen 1917 –  bei der Himmelfahrtsprozession mitwirkte, kann nicht belegt werden. Nach dem Konzert am 12.11.1916 war es ruhig um die Kapelle geworden. Für das gesamte Jahr 1917 kann kein Auftreten belegt werden. Dies lag vermutlich auch daran, dass Dirigent Franz Laub nun tatsächlich in Ulm in Garnison lag. Wie lange dies der Fall war, ist nicht zu ermitteln, da die entsprechenden Akten großteils verbrannt sind. Sicher ist, dass Laub am 10.05.1917 beim Ersatzbataillon des Grenadierregiments 123 in Ulm Dienst tat. Mit diesen Angaben nämlich signierte er eine Partiturhandschrift seines „Andante religioso“, das er dabei für Blechmusik bearbeitet hatte. Wann das Original dieses Werkes – der einzige bekannte Streichquartettsatz des Komponisten - entstand, ist nicht belegbar. Wahrscheinlich ist eine Kompositionszeit während des 1. Weltkrieges. Laub hat die am 10.05.1917 geschriebene Blechmusik-Partitur mit dem Zusatz „Ehre den Gefallenen“ versehen.

Flugzeug bei den Steigerwerken in Burgrieden
Flugzeug bei den Steigerwerken in Burgrieden

Erst am 5. Mai 1918 war von der Stadtkapelle Laupheim wieder zu hören. Die Kapelle gab, nachdem der Termin schon einmal verschoben worden war, an diesem Sonntag um 18:30 Uhr zusammen mit dem katholischen Kirchenchor ein Wohltätigkeitskonzert. Begünstigt war diesmal eine in Laupheim neu geplante Gedächtniskirche sowie die zahlreichen heimgekehrten und heimkehrenden Kriegsbeschädigten. Am Samstagabend fand die Generalprobe statt. Trotz der hohen Eintrittspreise von 2 Mark für nummerierte – für diese Plätze waren Karten ausschließlich im Vorverkauf von Freitag bis Sonntag mittag erhältlich -, 1 Mark für unnummerierte und 50 Pfennig für Sitze im kleinen Saal war das Vereinshaus „zum Raben“ voll. Ehrengäste waren gehfähige Verwundete aus dem Laupheimer Lazarett, die von dem von der Stadtkapelle aufgeführten Stück „Ausmarsch der Feldgrauen“ wie elektrisiert waren. Das Stück musste wiederholt werden. Eine besondere musikalische Überraschung steuerte Franz Laub, der Dirigent der Stadtkapelle, bei: Sein neuer „Burgrieder Fliegermarsch“ entsprach nach Meinung des Publikums voll seinem Titel. Der „Laupheimer Verkündiger“ forderte danach von der zuständigen Behörde einen seiner musikalischen Stellung angemessenen Titel für Franz Laub. Eine städtische Anerkennung erhielt Laub daraufhin: Im Juli 1918 beschloss der Gemeinderat, seine Vergütung rückwirkend per 1. April zu erhöhen.

Am 30.05.1918, dem Fronleichnamstag, griff die Stadtkapelle eine vor dem Krieg geübte Tradition wieder auf: Am Nachmittag gab sie ein Konzert im Vereinshausgarten. Anzunehmen, aber nicht belegbar, ist daher, dass sie am Vormittag die Prozession der katholischen Kirchengemeinde begleitet hatte. Traurige Anlässe waren die nächsten nachweisbaren Auftritte der Stadtkapelle. Der im Alter von 23 Jahren in einem Lazarett in Alfeld seinen schweren Verwundungen erlegene Josef Schick wurde mit Musik der Stadtkapelle am 26.09.1918 in Laupheim zu Grabe getragen. Sein Vater Carl war selbst Musiker bei der Stadtkapelle. Kurze Zeit später, am 08.10., folgten Auftritte bei gleich zwei Beerdigungen. Um 8:30 Uhr wurde Hans Stegmann, ein seinen Verwundungen erlegener Laupheimer Kriegsheimkehrer, um 9:30 Uhr der ehemalige Laupheimer Volksschulrektor und Kirchenchordirigent Hepp, der eines natürlichen Todes gestorben war, zu Grabe getragen. Ende November begleitete die Kapelle Johann Manz, einen weiteren Laupheimer Kriegstoten, zur letzten Ruhestätte.