Thaddäus Ruß - Der Dirigent, der von seinen Musikern weggeputscht wurde

Er erwarb sich große Verdienste als Ausbilder junger Musiker der Stadtkapelle. Trotzdem drängten seine Musiker Thaddäus Ruß aus dem Dirigentenamt.

Wenig wissen wir über den Instrumentallehrer und Dirigenten Thaddäus Ruß. Von seiner Person kennen wir nur die Geburtsdaten: Ruß kam am 15.03.1851 in Arnegg zur Welt.

In Laupheim

Thaddäus Ruß zog wohl unmittelbar nach dem Weggang seines Vorgängers Josef Kohler im Herbst 1881 nach Laupheim. Dies belegt eine in Laupheim erhalten gebliebene, von Ruß handgeschriebene Instrumentalschule, die mit der Jahresangabe 1881 gekennzeichnet ist. Wo er vorher tätig war ist unbekannt.

Welche Instrumente Thaddäus Ruß beherrschte, kann nicht belegt werden. Die erwähnte Instrumentalschule legt nahe, daß er Piston (Trompeten-Instrument) spielte, dazu noch Klarinette und evtl. Posaune. Mit großer Wahrscheinilchkeit spielte er ein Streich-Instrument, in den Jahren 1887 und 1888 jedenfalls annoncierte er Konzerte mit dem "Laupheimer Streichquintett", das auch mit Erfolg außerhalb Laupheims gastierte, bspw. in den Gasthäusern zum "Kreuz" in Schwendi und zum "Adler" in Bußmannshausen.

Der Ausbilder

In Erinnerungen an Thaddäus Ruß wird vor allem seine Tätigkeit als Ausbilder hervorgehoben. Er hat sich wohl gleich nach Beginn seiner Amtszeit in Laupheim um die Ausbildung musikalischen Nachwuchses gekümmert. Mit nachhaltigem Erfolg: Noch 1929 spielten einige Musiker in der Stadtkapelle Laupheim, die von Ruß ausgebildet waren. Sein Meisterschüler war Franz Laub, späterer städtischer Musikdirektor, Verbandsdirigent und Komponist, aus dem Ruß einen herausragenden Piston-Bläser machte. Das schon genannte Schulwerk wurde von Wilhelm Hofbaur benutzt, dem späteren langjährigen Solo-Piston-Bläser der Stadtkapelle.

Instrumentalschule von Thaddäus Ruß
Seite aus autographer Instrumentalschule von Thaddäus Ruß. Rechts oben die Angabe: "Thaddäus Ruß Musikdirektor 1881"

Städtischer Musikdirektor

Nachdem sich Thaddäus Ruß als Instrumentallehrer und Dirigent erste Verdienste erwoben hatte, wagte er nach eineinhalb Jahren Dienst in Laupheim bei der Stadt einen Antrag auf Gewährung eines Honorars für Unterrichts- und Probenarbeit zu stellen. Mit Beschluß vom 16.06.1883 bewilligte der Gemeinderat ein Jahressalär in Höhe von 100 Mark, da es ihm gelungen sei, schon einige neue Kräfte heranzubilden und er die Musikkapelle sehr gefördert habe. Dafür wurden ihm einige Verpflichtungen auferlegt:

  • Es wird ihm zur Aufgabe gemacht, die Musikkapelle stets in gutem Stand zu erhalten und sein Augenmerk dahin zu richten, daß immer wieder jüngere Kräfte herangebildet werden.
  • Unvermögenden, welche die Musik auf irgendeinem Instrument erlernen wollen, hat H. Ruß unendgeldlichen Unterricht zu erteilen, und endlich hat derselbe
  • bei kirchlichen und städtischen Feierlichkeiten jedesmal mitzuwirken.

Schon ein Jahr später, im Juni 1884, ersuchte Ruß um eine Erhöhung der Belohnung. Die Leistungen von Ruß waren anscheinend so befriedigend, daß Gemeinderat Schmid den Vorschlag von Gemeinderat Baur, den Lohn um 50 Mark jährlich zu erhöhen, auf 70 Mark erhöhte, was mit 8 gegen 3 Stimmen dann auch beschlossen wurde.

Stempel von Thaddäus Ruß
Stempel von Thaddäus Ruß: "Musikdirector Laupheim"