Verleihung der Pro Musica-Plakette an die Stadtkapelle Laupheim durch Bundespräsident Köhler 2008

Die Pro Musica-Plakette

Pro Musica Plakette

Die Pro Musica-Plakette wurde 1968 durch Bundespräsident Heinrich Lübke gestiftet. Mit ihr werden Musikvereinigungen ausgezeichnet, die sich in mindestens einhundertjährigem Wirken besondere Verdienste um die Pflege der instrumentalen Musik und damit um die Förderung kulturellen Lebens erworben haben. Pro Jahr können maximal 50 Vereinigungen die Plakette erhalten.

Forschungsarbeit

Um die Pro Musica-Plakette verliehen zu bekommen, musste die Stadtkapelle einen umfangreichen Antrag bei einem für diesen Zweck eingerichteten Empfehlungsausschuss einreichen. Der Empfehlungsausschuss setzt sich aus einem Vertreter der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverbände, des Bundesverbandes Deutscher Liebhaberorchester, der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien zusammen.

Das über 100-jährige, dauerhafte musikalische Wirken musste anhand von Dokumenten belegt werden. Außerdem war die Einreichung der Konzertprogramme der zurückliegenden fünf Jahre erforderlich. Im Falle der Stadtkapelle Laupheim war der Nachweis einer mehr als 100-jährigen Tätigkeit gar nicht so einfach: Es existieren praktisch keine vereinseigenen Unterlagen aus der frühen Zeit. Erst mit der Musikvereinsgründung 1928 wurde ein Protokollbuch geführt. Vereinsarchivar Franz Seifert (2012 verstorben) war es aber in aufwendiger Forschungsarbeit in Archiven gelungen, Belege zu finden, anhand derer das Wirken der Blasmusik in Laupheim mindestens bis 1864 zurückverfolgt werden kann.

Die Stadt Laupheim musste die Angaben im Antrag bestätigen. Die Zustimmung des Kultusminsteriums des Landes Baden-Württemberg zur Verleihung der Plakette an die Stadtkapelle war außerdem erforderlich. Schließlich, nach etlichen prüfenden Rückfragen des Empfehlungsausschusses zu den eingereichten Unterlagen, traf der Bescheid ein: Die Stadtkapelle Laupheim erhält 2008 die Pro Musica-Plakette.

Sensationelle Nachricht: Der Bundespräsident selbst wird die Verleihung vornehmen

Nur die erste Pro Musica-Plakette eines Jahrgangs wird in einem zentralen Festakt auf Bundesebene ausgehändigt. Dabei lässt sich der Bundespräsident meistens durch einen Länderminister, Staatssekretär etc. vertreten. Der Festakt findet immer im Rahmen der Tage für Chor- und Orchester-Musik am Sonntag Laetare statt, dem Sonntag in der Mitte der Fastenzeit. Diese Tage der Musik werden jährlich in einem anderen deutschen Bundesland veranstaltet. Der Verleihungsakt der restlichen Plaketten erfolgt in der Regel auf regionaler Ebene, beispielsweise durch den Landrat.

Im Jahr 2008 war Baden-Württemberg mit der Ausrichtung der "Tage der Chor- und Orchestermusik" an der Reihe, Veranstaltungsort war die badische Stadt Bruchsal. Damit war klar, dass die erste im Jahr 2008 verliehene Pro Musica-Plakette an ein Orchester aus Baden-Württemberg gehen würde, das dann am zentralen Festakt teilnimmt.

Anfang 2008 traf dann eine wunderbare Nachricht in Laupheim ein: Die Stadtkapelle Laupheim bekam die Ehre, die erste Pro Musica-Plakette überreicht zu bekommen und dazu nach Bruchsal eingeladen zu werden. Diese Meldung wurde noch überboten - Bundespräsident Horst Köhler lässt sich nicht vertreten, sondern übergibt die Plakette höchstpersönlich!

Einen ausführlichen, bebilderten Bericht über den Festakt zur Pro Musica-Verleihung 2008 finden Sie hier: Verleihung der Pro Musica-Plakette an die Stadtkapelle Laupheim durch Bundespräsident Köhler

Festakt in Bruchsal

Der Sonntag Laetare fiel 2008 auf den 2. März. Schon am Vortag machte sich die Stadtkapelle Laupheim im Bus auf den Weg nach Bruchsal. Mit dabei war Bürgermeisterin Monika Sitter und ein Vertreter der Lokalpresse. In Bruchsal fand eine Probe im Kongresszentrum statt, dem Veranstaltungsort des Festakts. Vertreter der Stadtkapelle waren zum Empfang der Stadt Bruchsal geladen. In der ganzen Stadt konnten verschiedene Konzerte besucht werden.

Stadtkapellenvorstand Gerhard Baur und Bundespräsident Horst Köhler
Stadtkapellenvorstand Gerhard Baur und Bundespräsident Horst Köhler

Am Sonntag folgte dann der große Tag. Die Sicherheitsvorkehrungen im Kongresszentrum waren hoch. Auch die Instrumentenkoffer der Stadtkapelle wurden von Sprengstoffhunden beschnüffelt. Der Eintritt zum Veranstaltungssaal war nur mit speziellem Ticket und unter den Augen von Sicherheitspersonal möglich.

Schließlich traf die Wagenkolonne des Bundespräsidenten ein. Beim Festakt wechselten Ansprachen mit musikalischen Vorträgen verschiedener Gruppen ab. Die Stadtkapelle Laupheim bildete mit dem Stück "Evolutions" von Alfred Reed den krönenden Abschluss der Vorträge. Höhepunkt des Festakts war natürlich die Verleihung der ersten Zelterplakette (für Chöre) und der ersten Pro Musica-Plakette. Stadtkapellen-Vorstand Gerhard Baur trat im Blitzlichtgewitter der zahlreichen Pressefotografen zu Bundespräsident Horst Köhler auf die Bühne und nahm aus dessen Hand persönlich Urkunde und Plakette entgegen.

Stadtkapelle beim Festakt in Bruchsal 2008
Stadtkapelle beim Festakt in Bruchsal (Fotos: Bundespräsidialamt)

Für die Stadtkapelle Laupheim war es ein denkwürdiger Tag. Mit der eigenhändigen Ehrung durch den Bundespräsidenten wurde nicht nur die weit über 100-jährige Arbeit der Musiker, Dirigenten und Funktionäre der Vergangenheit ausgezeichnet, sondern nicht zuletzt die herausragende Konzert-Arbeit der fünf Jahre von 2002 bis 2007, die dem Empfehlungsausschuss als Grundlage für die Einladung zum Festakt diente.

Fakten zur Pro Musica-Plaketten-Verleihung

  • Bis einschließlich 2008 wurden 1.744 Plaketten verliehen.
  • 2008 erhielten 48 Orchester die Plakette, davon 23 aus Baden-Württemberg.
  • Außer der Stadtkapelle Laupheim wurden 2008 weitere renommierte Kapellen aus Baden-Württemberg ausgezeichnet, so die Stadtkapelle Esslingen und die Stadtkapelle des Gastortes Bruchsal.
  • Aus dem Landkreis Biberach wurde 2008 noch den Musikvereinen Schemmerhofen und Otterswang die Plakette verliehen.
  • Bundespräsident Horst Köhler hatte in seiner 2004 begonnenen Amtszeit nur 2005 die erste Plakette persönlich ausgehändigt.