Gedenkstunde anlässlich der Reichspogromnacht im Rahmen der Laupheimer Schalomtage 2005

... mit ihrem durchdachten, anspruchsvollen und exzellenten Programm hat die Stadtkapelle sicher Menschen angelockt, die sich über das Medium Musik nun Gedanken über das eigentliche Thema machen.

Schwäbische Zeitung Laupheim

Die Aufgabe

Zur Erinnerung und Mahnung an die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Einwohner Laupheims während der Nazi-Herrschaft werden in Laupheim jährlich Anfang November die Laupheimer Schalom-Tage veranstaltet. Kern bildet eine Gedenkstunde am 09.11. zur Erinnerung an das Niederbrennen der vormaligen Laupheimer Synagoge während der sogenannten "Reichskristallnacht". 2005 wurde die Stadtkapelle angefragt, die Gedenkstunde zu gestalten.

Als Vorgaben waren zu berücksichtigen: Der Veranstaltungsort ist am Eingang des jüdischen Friedhofs. Die Bürgermeisterin hält eine kurze Ansprache. Am Ende der Gedenkstunde findet eine Lichterprozession zum nahegelegenen Gedenkstein am Standort der ehemaligen Synagoge statt. Am Gedenkstein soll nicht mehr gesprochen werden. Die Gesamtveranstaltungsdauer soll längstens 45 Minuten betragen.

Wie die Stadtkapelle die Aufgabe löste

Da die Stadtkapelle eine musikalische Institution ist, war das Ziel, in erster Linie mit Einsatz von Musik zu arbeiten. Die Musik war selbst zu produzieren, also nicht vom Band einzuspielen. Entsprechend einem Blasmusikverein sollten Werke, die den Schwerpunkt auf Bläsereinsatz legen, bevorzugt werden. Die Vorgabe des Veranstaltungsorts und die Jahreszeit bedingten, daß empfindliche Holzblasinstrumente höchstens eingeschränkt zum Einsatz kommen konnten. Um dennoch verbale Aussagen zu vermitteln, bot sich die Einbindung von Gesang an. Der Inhalt / die Aussage / der Entstehungskontext der aufgeführten Werke mußte zum Thema "Reichskristallnacht / Holocaust / Vertreibung der jüdischen Bevölkerung / Nationalsozialismus" passen. Zum Abschluß am Gedenkstein wurde nur noch ein reines Instrumentalstück aufgeführt.

Das Ergebnis

Stadtkapelle Laupheim Gedenkfeier Reichspogromnacht 2005

Aufgeführt wurden im Hauptprogrammteil ausschließlich authentische Stücke aus der Zeit des Aufkommens und der Herrschaft des Nationalsozialismus. Alle Werke sind von jüdischen Komponisten geschaffen. Das Notenmaterial wurde teilweise antiquarisch beschafft. Das Programm, für das eigens eine Broschüre mit den Liedtexten erstellt wurde, zeichnete den Weg von den Kämpfen um die Macht Anfang der 1930er Jahren bis zum Holocaust nach. Der Abschluß am Gedenkstein wurde von einer instrumentalen Vertonung des jüdischen Totengebets Kaddisch aus der Renaissance in einer zeitgenössichen Bearbeitung für Blechbläserquintett umrahmt.

Stadtkapellmeister Arnfried Oehme setzte die relativ kleinen Originalbesetzungen für ein mittelgroßes Bläserensemble in eigenen Arrangements um. Außerdem engagierte er die für die Art der Stücke geeigneten Chansonsänger.

Die Resonanz bei den zahlreichen Besuchern - erstmals hatte die Veranstaltung weit mehr als 100 Teilnehmer - und Presse war sehr positiv.