100. Geburtstag von Paul Kühmstedt

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Paul Kühmstedt
Paul Kühmstedt

Ende 1975 mußte sich die Stadtkapelle Laupheim überraschend von ihrem damaligen, kaum ein Jahr amtierenden Dirigenten trennen. Der Komponist und Dirigent Paul Kühmstedt, eine bekannte Größe in der schwäbischen Musikwelt, erklärte sich bereit, aushilfsweise die musikalische Leitung der Kapelle zu übernehmen, bis ein neuer Dirigent gefunden werden könnte. Aus der kurzfristigen Aushilfstätigkeit wurden schließlich gut eineinhalb Jahre, von Januar 1976 bis Ende Juli 1977. Zwar verließen einige Musiker die Kapelle ob der progressiven Musik, die Kühmstedt pflegte, doch erwies sich diese Zeit als eine musikalisch weiterführende für das Orchester. Für den in Ulm wohnhaften renommierten Dirigenten wurde von den Musikern eigens ein Fahrdienst zu jeder Probe und jedem Auftritt organisiert. Während des Laupheimer Kinder- und Heimatfestes übernachtete Kühmstedt in Laupheim und erlebte ausgelassene Musiker, die sich nicht scheuten, ihrem Dirigenten eine schlachtmesserscharfe Festrasur angedeihen zu lassen ...
Auch in den Zeiten nach seinem Engagement als Dirigent war Paul Kühmstedt ein gern gesehener und immer wieder konsultierter Ratgeber für die Stadtkapelle Laupheim.

Paul Kühmstedt kam am 29.11.1908 in Ulm-Söflingen zur Welt. Sein Vater, Tubist und Kontrabassist in einer Militärkapelle, erteilte ihm ersten Musikunterricht. Weitergehenden Unterricht erhielt er an Violine, Klavier und Orgel, der den Musiker befähigte, das Studium von Klavier, Dirigieren und Komposition an der Musikakademie in München aufzunehmen. Engagements als Kapellmeister führten ihn an die Stadttheater von Memmingen, Kaiserslautern und Ulm, wo er 1930/31 mit dem noch unbekannten Herbert von Karajan zusammenarbeitete. In den Zeiten der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Nationalsozialismus hielt er sich als Pianist und Dirigent in Cafés, Kabaretts und Varietes in ganz Deutschland über Wasser. 1934 ließ er sich als freischaffender Komponist, Chorleiter und Musiklehrer in Heidenheim nieder. Nach dem Kriegsdienst leitete er die Stuttgarter Operette und das Heidenheimer Kammerspiel musikalisch. 1948 übernahm er das älteste Kindertheater Deutschlands, das Biberacher Schützentheater. In Oberschwaben kam er in engen Kontakt mit der Blasmusik und übernahm 1952 die Stadtkapelle Biberach und die dortige kleine Schützenmusik, die am längsten bestehende Jugendkapelle Deutschlands. Beide Orchester führte er bis 1968. 1954 übernahm er das Dirigat der Stadtkapelle seiner Heimatstadt Ulm, die er schnell zu einem der führenden Blasorchester im Land machte. Das Orchester konnte 1959 mit überraschendem Erfolg am Internationalen Musikfest in Vichy teilnehmen, keine Selbstverständlichkeit in jenen Nachkriegsjahren. Ab 1961 baute Kühmstedt die Ulmer Knabenmusik auf (seit 2008 Junge Bläserphilharmonie Ulm), ein noch heute führendes Jugendblasorchester. Paul Kühmstedt verstarb nach längerer Krankheit am 25.11.1996.

Meilensteine setzte Paul Kühmstedt als Komponist. Er war einer der ersten Deutschen, die moderne, sinfonische Blasmusik auf hohem Niveau komponierten, wobei er vom Stil Paul Hindemiths beeinflußt war. Anfangs waren seine Werke in Blasmusikkreisen ob ihres modernen Idioms oft unverstanden, doch haben sie bis heute Bestand und werden nach wie vor aufgeführt. Sein Oeuvre umfaßt gut 150 Werke für Sinfonie-, Akkordeon- und Blasorchester, Lieder, Märchen- und Singspiele. Seine Interesse an der musikalischen Jugendausbildung bezeugen viele pädagogische Stücke und Stücke für Jugendorchester.

Die Stadtkapelle Laupheim führte von Paul Kühmstedt unter anderem "Der Binsenmichel", "Comedietta", "Duranand", "Prelude Pastorale", "Dorisches Klangspiel", "Trompeten Rock" und "Tanzvisionen" auf, einige davon mit großem Erfolg bei Wertungsspielen. Die Jugendkapelle spielte seinen modernen Marsch "Buffalo Bill".

Wer ein Werk Paul Kühmstedts hören will: Die Stadtkapelle Biberach, die er viele Jahre leitete, führt am Tag seines 100. Geburtstages am Samstag, 29.11.2008 seine "Capricieuse Ouvertüre" auf. Gäste beim Konzert sind das Stadtorchester Friedrichshafen und der Jazzhornist Arkady Shilkloper. Weitere Informationen unter http://mvb-archiv.de/frameset.php?pos=herbst.

Weitere Informationen zu Paul Kühnstedt finden Sie in der Wikipedia.

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