Vielfältig: Herbstkonzert mit vier Orchestern und zwei Ensembles

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Brass Kids der Stadtkapelle beim Herbstkonzert 2010
Die Brass Kids beim Herbstkonzert 2010

"Nie war die Vielfalt größer", konstatierte der das Konzert souverän moderierende Musikvereins-Vize-Vorstand Frank Schneider in seiner Begrüßung zum Herbstkonzert der Stadtkapelle Laupheim am Samstagabend des 23. Oktober. Und er hatte beileibe nicht zuviel versprochen: Alle vier Orchester des Musikvereins, dazu ein Saxophonquartett aus den Reihen des Blasorchesters und als Gäste eine Dudelsackgruppe, alles in allem rund 160 Musiker, zeigten die ganze musikalische Breite des Musikvereins Stadtkapelle.

Den Auftakt machten die jüngsten Musikanten in den Reihen der Stadtkapelle, das Vororchester "Brass Kids". Chefdirigent Dr. Rustam Keil nahm das Publikum mit seinen etwa dreißig jungen Musikern mit auf eine Reise durch drei Kontinente. Das heimatliche Europa wurde durch die Europahymne und bekannte Melodien wie "Sur le pont d'Avigon" und "Rule Britannia" repräsentiert. Langsam durch einen Gong eingeleitet zeigte sich das fremde Asien mit pentatonisch angehauchten Klängen. Die Suite des Niederländers Kees Vlak endete mit einem Besuch in Amerika, wo unter anderem "Oh Susanna" und "Yankee Doodle" musikalisch zitiert wurden. Die jungen Bläser, Streichbassisten und Schlagzeuger ließen sich auch durch die synkopierten Reels auf ihrer Weltreise nicht aus dem Takt bringen.

Jugendblasorchester beim Herbstkonzert 2010
Jugendblasorchester beim Herbstkonzert 2010

Fortgeschrittener ist das Niveau des Jugendblasorchesters, das mit rund vierzig Musikern im Programm folgte. Luigi Di Ghisallos sinfonische Rock-Ouvertüre "Stockholm Waterfestival" schildert Eindrücke von dem gleichnamigen Musikfest in der schwedischen Hauptstadt. Eine getragene Einleitung mit flirrenden Flöten geht in einen Rockrhythmus über, bei dem sich Trompeten- und Tenorstimmenregister durch saubere Melodieführung auszeichneten. Nach einem aprupten Break leitet ein fanfarenartiger Ruf von Trompeten und Tenören in eine langsame, von den Saxophonen getragene Zwischenteilmelodie über. Ein marschartiger Tanzrhythmus endet in einem Paukenwirbel. Ein Blechsignal ruft erneut das Eingangsthema auf. An dieser Stelle hatten die melodieführenden Trompeten es schwer, durchzukommen. Mit Schwung übernimmt das ganze Orchester das Thema und führt das Stück zu einem rasanten Schluß. Das junge Orchester bewältigte unter Führung von Dirigent Dr. Keil die vielen Rhythmuswechsel und Melodieübergaben zwischen den Registern problemlos. "Soaring!", eine Komposition des Amerikaners David Shaffer, schildert die Impressionen eines Segelfluges. Hier überzeugte der satte Klang des tiefen Blechs der Kapelle. Flöten, Klarinetten und Euphonium zeigten ihr Können bei ihren Solo-Stellen.

Lions Club Laupheim spendet Kindertuba an Stadtkapelle
Lions Club übergibt Kindertuba

Eine ausgezeichnete, fruchtbringende Jugendarbeit erfordert hohe Investitionen vor allem in Instrumente. Die Stadtkapelle ist in der erfreulichen Lage, genügend Kinder in Ausbildung zu haben, die die schwere Tuba erlernen. Ein dazu fehlendes Kinderinstrument spendete dankenswerterweise der Lions Club Laupheim, der es beim Herbstkonzert der Stadtkapelle übergab. Lions-Präsident Adolf Fuchsschwanz präsentierte in seiner Ansprache die bisherige eindrucksvolle Bilanz der wohltätigen Arbeit der Vereinigung unter dem Motto "we serve" - wir dienen. Die Stadtkapelle unterstützt den Lions Club dabei in jedem Jahr durch die musikalische Beteiligung beim Schloßhoffest (siehe auch unser Bericht Wohltätig: Stadtkapelle und Jugendblasorchester traten beim Schloßhoffest auf)

Spielmannszug der Stadtkapelle beim Herbstkonzert 2010
Heike Braiger dirigiert den Spielmannszug

Als Flötenorchester mit erweitertem Schlagwerk präsentierte der Spielmannszug der Stadtkapelle Klänge jenseits der gewohnten Marschmusik. Eine gewaltige Palette an Stabspielen, Trommeln, Pauken und Rhythmusinstrumenten wurde von vierzehn Schlagzeugern kunstfertig zum Klingen gebracht. "Goldene Sonne" von Tobias Lempfer wurde vom Spielmannszug zackig und mit großer Präzision dargeboten. "The Journey" von Dirk Mattes war Preisstück des Auswahlorchesterwettbewerbs in Trossingen. Das umfangreiche, mehrteilige Werk stellte höchste rhythmische und harmonische Anforderungen an die Musiker und ihre engagierte Dirigentin Heike Braiger, die diese mit Bravour bewältigten. Eingeleitet von Pauken und Stabspielen, weitergeführt vom kombinierten Schlagzeug gelang dem Orchester über das ganze Stück ein hervorragender Spannungsaufbau. Mit Schlagwerkeinsatz setzte sich der "Holiday Train" von Dirk Mattes in Bewegung und wurde vom Spielmannszug in flotte Fahrt versetzt.

Saxophon-Quartett und Blasorchester der Stadtkapelle beim Herbstkonzert 2010
Saxophonquartett

Höchste Präzisionsarbeit in gestalterischer Reife lieferte das Saxophonquartett der Stadtkapelle bei der Zusammenstellung von Melodien aus der Oper "Porgy and Bess" von George Gershwin ab. Das von Dr. Keil geleitete Ensemble zeigte vier souveräne Bläser mit absoluter Solistenqualität: Nicolas Allgaier (Sopran), Timm Cebulla (Alt), Gerhard Baur (Tenor) und Tobias Gruber (Bariton). Chapeau!

Das große Blasorchester der Stadtkapelle mit Dirigent Dr. Keil füllte mit gut 70 Musikern die Bühne des Laupheimer Kulturhauses. Es eröffnete seinen Part mit einem Klassiker sinfonischer Blasmusik, Alfred Reeds "El Camino Real". Satter Orchestersound, gute Tempi, hervorragende Solisten (Oboe: Angelika Erb), groß geführte Melodielinien, spanisches Feuer im Schlußteil - eine exzellente Aufführung konnte durch gelegentliche zögerliche Einsätze und zweifelhafte Intonation nicht getrübt werden.

Dudelsack-Quartett beim Herbstkonzert 2010
Das Dudelsack-Quartett

Die Stadtkapelle ist immer für Experimente und musikalische Grenzüberschreitungen gut. Berührungsängste mit anderen Musikern, seien es Chöre, Gesangssolisten oder Jazzbands, bestehen nicht. In diesem Jahr stand erstmals das Zusammenspiel mit einer Dudelsackgruppe an. Thomas Hermann, Multiinstrumentalist und ehemaliger Schlagzeuger und Tubist der Stadtkapelle, brachte die Idee ein, Dr. Keil nahm sie auf und sorgte für die Blasorchesterarrangements der traditionellen Dudelsackstücke "Boulanger Jig" und "Troy's Wedding". Die Dudelsackpfeifer Gunter Bortz, Thomas Hermann, Diana Jung und Bernd Karrer bewiesen, daß das urtümliche Instrument zu mehr als schnarrender Geräuschkulisse fähig ist: Sauberes Zusammenspiel und ebenso saubere Stimmung zeichneten die Gruppe aus. Die Instrumente erwiesen sich als tragfähig genug, um gegen die siebzig Bläserkollegen der Stadtkapelle durchzudringen.

Kein Repertoirewert ist dem Stück "Journey to Riva" des österreichischen Komponisten Fritz Neuböck beizumessen. Die Komposition schildert die Reise eines Orchesters zum berühmten, auf hohem Niveau stehenden Blasorchesterwettbewerb "Flicorno d'Oro" in Riva di Garda. Das grobgestrickte Stück verführte die ansonsten überzeugende Stadtkapelle zu lautem, grobem Spiel mit vielen Schärfen.

Ganz anders dagegen die Interpretation des Bigband-Standards "Children of Sanchez" von Chuck Mangione. Hier bewies das große Orchester, daß auch für solistischere Besetzungen geschriebene Werke im vollen Blasorchester zum Klingen gebracht werden können. Exzellent der erste Trompeter der Stadtkapelle, Peter Braun, der die Flügelhornsoli expressiv und tonschön gestaltete. Auch die weiteren Solostellen gelangen den Interpreten sehr gut (Dr. Annette Telgmann, Horn, Tobias Gruber, Alt-Sax). Dr. Keil und sein Orchester fanden jederzeit zu einer dezenten Begleitung. Die Tempi wurden angemessen und cool genommen, Tutti-Stellen gerieten nicht zu massiv (ein Extralob gebührt dem soundsatten Hornsatz). Ein gelungener Abschluß eines gelungenen Konzertabends.

Zur Zugabe vereinten sich Blasorchester und Spielmannszug. "Hoch Schwaben", ein Marschklassiker des früheren Stadtkapellendirigenten Franz Laub, im Idealtempo und dynamisch differenziert dargeboten, brachte das Publikum - der große Saal des Kulturhauses war trotz freien Eintritts zwar sehr gut, aber nicht restlos gefüllt - zu spontanem Mitklatschen. Eine zweite Zugabe war fällig und wurde mit Johann Strauß' Geschwindmarsch nach Motiven aus Quadrillen gewährt.

Stadtkapelle Laupheim beim Herbstkonzert 2010
Die Stadtkapelle Laupheim beim Herbstkonzert 2010

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