Kurzes Gastspiel: Josef Kohler

Nur ein sehr kurzes Gastspiel als Dirigent der Stadtkapelle Laupheim gab Josef Kohler. Entsprechend dürftig sind die zu ihm verfügbaren Informationen.

Sofort nachdem Musikdirektor Josef Sontheimer seinen Wegzug aus Laupheim bekannt gegeben hatte, machte sich die Stadt Laupheim auf die Suche nach einem Nachfolger - das Renommée der städtischen Musikkapelle war gewachsen und man wollte nicht mehr auf eine gute Musik verzichten. Der als Privat-Musiklehrer in Neu-Ulm tätige Josef Kohler zeigte Interesse an der Tätigkeit. Sein Auftreten und vorgelegte Zeugnisse ließen erwarten, daß er die Verpflichtung zur Leitung der Laupheimer Kapelle gewissenhaft erfüllen werde, und so wurde Kohler im April 1881 zu 100 Mark Jahreslohn angestellt. Die Vertragsbedingungen waren dieselben wie für seinen Vorgänger:

  • die städtische Musik möglichst zu fördern und dabei Augenmerk darauf zu richten, stets junge Kräfte nachzuziehen,
  • Kindern unvermögender Eltern unentgeltlich Instrumentalunterricht zu erteilen,
  • bei kirchlichen Verrichtungen und städtischen Feierlichkeiten unweigerlich anzuwohnen.
Unterschrift von Josef Kohler
Unterschrift von Josef Kohler

Josef Kohler scheint ein vielfältig begabter Musiker gewesen zu sein. Bei seinem Dienstantritt in Laupheim, der um den 20. April 1881 erfolgte, bot er Unterricht für Flöte, Klarinette, Violine und verschiedene Blechblasinstrumente an. Seine Wohnung nahm er in der Biberacher Straße.

Kapellmeister Kohler trat mit der Laupheimer Stadtkapelle vor allem mit Konzerten in Gärten von Wirtshäusern in Erscheinung. Nach dem Konzert an Christi Himmelfahrt (26.05.1881) im Schloßgarten wird der Kapelle unter Kohlers Leitung durch den Berichterstatter der Zeitung ein bedeutender Fortschritt attestiert. Ob der Schloßwirt das anders sah, er mit dem eher schwachen Besuch unzufrieden oder sich mit Kohler sonst uneinig war, kann nur vermutet werden. Am Feiertag Peter und Paul (29.06.) jedenfalls konkurrierten zwei musikalische Angebote: Im Schloßgarten war die Kapelle des 5. Württembergischen Grenadierregiments Nr. 123 aus Ulm bei freiem Eintritt engagiert, zur selben Uhrzeit um drei Uhr nachmittags konzertierte die Stadtkapelle im "Raben" gegen 20 Pfennig Entrée.


Im September 1881 versuchte Josef Kohler auswärts und mit Streichmusik zu reüssieren, nachdem er eineinhalb Wochen zuvor mit der Stadtkapelle noch beim großen landwirtschaftlichen Gaufest in Laupheim aufgespielt hatte. Er gastierte mit einem Orchester in der "Traube" in Mietingen, wo er ein Konzert u. a. mit der Ouvertüre zur Oper "Hochzeit des Figaro" von Mozart, einer Arie aus der "Zigeunerin" von Balse und den Variationen für Flöte solo von Carl Maria von Weber - vermutlich war Kohler selbst der Solist - gab.

Doch schon Ende Oktober 1881 macht Kohler eine Eingabe beim Gemeinderat: Man könne in Laupheim mit dem geringen städtischen Salär und den wenigen Möglichkeiten, Nebeneinkommen zu erzielen - hiermit waren Musikunterricht und bezahlte Engagements bei Hochzeiten, Bällen usw. gemeint - kein Auskommen haben. Er werde daher weggehen und bittet in Anbetracht der geringen Nebeneinkommen, seine Belohnung trotzdem bis Ende des Jahres auszubezahlen, was ihm zugestanden wurde. Kohler verließ Laupheim vermutlich im November 1881.